Wendezeit

Eine Sache,über die ich in letzter Zeit immer wieder nachdenke ist, dass fast jede Religion und jede Ideologie eine Eschatologie hat. Denn das ist ja nichts anderes als der Glaube daran, dass es mit der Menschheit insgesamt ein glückliches Ende nehmen wird. Erlösung erwarten wir zwar vor allem eher persönlich, aber das ist eine andere Sache. Erlösung erwarten wir vom Tod (oder von der Entrückung), aber darüber hinaus fühlen wir uns auch gedrungen, für die Existenz dieser Welt, in der unsere Nachkommen leben werden, etwa zu hoffen und wenn möglich auch zu tun.

Ob es das kommunistische Arbeiterparadies ist, oder eine scientistische Weiterentwicklung des Menschen zum Supermensch, der mit intelligenter Wissenschaft und Forschung alle Probleme doch noch zu lösen imstande ist — es geht immer darum, dass die Welt wie sie ist nicht fertig ist, es muss noch etwas Großes geschehen, um ein verloren geglaubtes Paradies wieder herzustellen.
 
Christen Juden und Moslem verbindet nicht nur Abraham, der Monotheismus und eine jeweilig andere Auswahl Schriften die sie für heilig, von Gott gegeben betrachten, auch in der Eschatologie erwarten alle drei einen von Gott gesandten Messias der Gericht halten wird und in einer gereinigten Welt ein Friedensreich errichtet. Auch wenn alle drei sehr unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie das aussehen wird, so ist das doch eine sehr weitgehende Gemeinsamkeit.
 
Es gibt aber auch eine Religion, bzw. mehrere Religionen fernöstlichen Types, die haben keine Eschatologie in diesem Sinne. Sie beschränken sich darauf, eine Erlösung für das Individuum anzubieten, während der Zustand der Welt keine wirkliche Bedeutung für sie hat und auch keine Änderung derselben angestrebt wird. Deswegen sind diese Religionen, allen voran der Buddhismus so beliebt, hat doch in so einer Welt jeder nur für sich persönlich Verantwortung, für sein Karma, das andere wird wie eine Illusion behandelt. Es geht dabei nur um die esoterische Erlösung der Seele von der Abhängigkeit der Materie, bzw. um eine innere Harmonie mit allem geschaffenen (wobei geschaffen nicht wörtlich zu verstehen ist, sonder durchaus auch als evolutionäre Hervorbringung). Gerade diese Reduzierung aber des Menschen auf seinen Idividualismus in der Distanz zur Gesellschaft, ohne echte Verantwortung, dürfte die Attraktivität dieser Religionen ausmachen und erklären, warum so viele Menschen vor allem unter den Intellektuellen in diese Wolkenkukkuksheime flüchten.
 
Welche Konsequenzen ergeben sich aber aus dieser Erkenntnis, dass es in der Welt eine Quasi-Konkurrenz der eschatologischen Hoffnungen gibt?
Ich denke die Konsequenzen sind sehr weitreichende, und wir bekommen sie gerade in unserer Zeit zu spüren, aber noch sehr viel mehr die Generation unserer Kinder und Enkelkinder. Die letzte eschatologische Seifenblase die geplatzt ist, war der Kommunismus ob er deswegen schon ganz besiegt ist, wird sich zeigen. Er hat sich jedenfalls von seiner Vorstellung eines Arbeiterparadieses durch die Abschaffung fester Eigentumsverhältnisse verabschieden müssen. Zugleich hat die kapitalistische These von der Sättigung der Welt durch Produktionsgüter und des weltweiten Konsumparadieses, das in letzter Konsequenz auch die Armut weltweit überwinden werde, zugleich hat diese letzte der materialistischen Thesen, einen deutlichen Riss bekommen und viele fürchten auch ein Scheitern Kapitalismus.
 
Beides aber waren sehr bedeutende Konzepte, einander gar nicht unähnlich, denn auch der Kommunismus war rein materialistisch orientiert. Das Versagen der Ideologien macht aber viele ratlos. Politiker und Philosophen sind stark betroffen, sie können die Welt nicht mehr ausreichend erklären und damit auch nicht führen, es sei denn, sie beginnen wieder auf andere eschatologische Konzepte zurück zu greifen, bzw. neue zu entwickeln. Beides bietet sich an. Die Köpfe der Philosophen dürften schon ziemlich rauchen. Die Suche nach neuen Wegen, die Zivilisation nicht nur vor dem Chaos zu retten, sondern sie auch auf eine höhere Stufe der Zivilisation zu hieven, oder ihr dazu zumindest wieder die Hoffnung zu geben, hat begonnen. Die Politik aber hält weitgehend noch an den alten Konzept mit seinem links/rechts Schema fest, auch wenn das bereits längst ein Anachronismus ist. Viele haben das noch nicht durchschaut. Andere schon, machen aber im alten Trott weiter, weil sie nichts anderes kennen. Dieser Trott ist der Liberalismus, die theoretische Grundlage des Kapitalismus.
 
Das alles hat natürlich auch Auswirkungen auf die Religionen, die eine messianisches Zeitalter als eschatologische Vision haben. Sie fühlen sich dem Ziel näher den je zuvor, gerade begründet im Versagen der alten Konzepte. Sie die Totgesagten mit ihrem Gottesglauben fühlen sich wie die Auferstandenen und verstärken ihren missionarischen Eifer, nun nicht nur die individuelle Erlösung propagierend, auf die sie sich während der Zeit der atheistischen Ideologien ganz zurückgezogen hatten, der Islam noch mehr als das Christentum. So verkündigen sie auch wieder ihre jeweilige Eschatologie und lösen damit neue Strömungen aus. Hier wurzelt der Konflikt, den wir derzeit sehen. Die Moslems erwarten ja das Kommen des Mahdis (mosl. Messias bzw. Welterneuerer) erst, nachdem der Islam diese Welt erobert hat. Sie haben es also besonders eilig. Die Christen aber haben zwei große Strömungen in ihrer Eschatologie: die postmillennialistische und die prämillenialistische, eine amillenialistische Version gibt es auch noch, doch die ist weitgehend nur im Inaktivem Namenschristentum, oder zurückgezogenen Mystizismus wirksam und von daher ähnlich bedeutungslos für die Gesellschaft wie die fernöstlichen Religionen.
 
Bevor wir aber die Konsequenzen der beiden großen unterschiedlichen Richtungen bewerten wollen, müssen wir noch einmal zusammenfassen und den Faden ein wenig weiter spinnen: Wir leben also in einer Zeit, in der alte eschatologische Hoffnungkonzepte scheitern und noch Ältere sich wieder verstärkt zurück melden. Dabei prallen derzeit unterschiedliche Welten aufeinander und ringen um eine Vorherrschaft im allgemein empfundenen Endkampf um die Rettung der Erde vor dem totalen bevorstehenden Chaos. Alte und neue, eben erst erfunden Konzepte geraten in einen Konkurrenzkampf, der asymetrischer nicht sein kann und alles in der Welt in Frage zu stellen scheint. Aktuell stehen auf dieser Bühne neben den Christen und den Moslems auch noch immer die alten und neuen …ismen. Der Kapitalismus wird nicht freiwillig aufgegeben, wie der Kommunismus. Dieser wird wohl auch wieder einen Neustart versuchen, ebenso der Nationalismus, der einen gewissen Aufwind schon zu spüren meint. Der Liberalismus aber wird sich heftigst wehren gegen seine Einschränkung. Dennoch wird er fallen, aber wohl nicht durch eine Religion, oder eine der anderen alten Ideologien, sondern durch sein offenbar werdendes Versagen und etwas Neues, das gerade am entstehen ist.
 
Ich kann es noch nicht deutlich sehen, weiß auch nicht wie das Ding heißen wird, aber es wird wohl so eine Art Universalismus sein, in dem alle Religionen vereint sind und der Mensch eine einheitliche Weltordnung mit einer Weltregierung anstreben wird. Diese Notwendigkeit erscheint sich für die ideologiegesteuerte säkulare Gesellschaft daraus zu ergeben, dass im Todeskampf der alten Systeme, in dem keines mehr siegen kann, viel Blut fließen und die Welt in ein unvorstellbares Chaos geraten wird. Der einzige Ausweg aus diesem Chaos wird aber die Vereinheitlichung der Welt sein. Eine Kultur, eine Religion, eine Regierung, etc. Ein großes Bündnis wird diesen Universalismus einleiten. Vielleicht könnte man auch von einem Projekt Babylon sprechen, denn diese Methapher sagt aus, dass wir wieder zurückgehen, zu der Zeit, in der die Menschen eine Sprache sprachen und ein einziges Volk waren. Man wird den Gläubigen vormachen wollen, dass Gott dieses mal nichts dagegen haben wird, da die Erde ja schon so voll ist. Denn die neue Weltordnung wird nicht so wissenschaftlich sein wie die alte, sie wird Gläubigkeit akzeptieren, sie als postfaktische Realität mit einbeziehen. Ja sie wird versuchen gerade aus den unterschiedlichen Spiritualismen der Gesellschaft Kapital zu schlagen. Alle Religionen aber werden soweit liberalisiert und humanisiert sein, dass sie sich nicht mehr gegenseitig in die Quere kommen können. Hier hat die Postmoderne viel Vorarbeit geleistet in der Harmonisierung der supranaturalen Vorstellungswelt der Menschen und der Erhebung der Toleranz zur höchsten Tugend in der Gesellschaft. Sie wird dem Menschen zugestehen, dass er eine Seele hat und ein spirituelles Wesen ist, sie wird ihm erlauben, ganz nach seiner Fasson selig zu werden, jegliche Mission aber wird verboten werden.
 
In dieser Entwicklung wird nämlich letztendlich die Philosophie und nicht die Religionen die Oberhand behalten. Diese wird klug genug sein, sich mit den Religionen kein weiteres mal anzulegen und ihre Existenzberechtigung so grundsätzlich in Frage zu stellen, wie das in der Philosophie der Modernen geschah. War es doch nicht zuletzt der Boykott der Religiösen, der ihre alten Konzepte mit zum Scheitern brachten, indem sie sich weigerten ihren Glauben aufzugeben und sich ganz dem Materialismus hinzugeben. Dennoch wird die Philosophie wegen ihrer stärkeren Konsistenz die Führung innehaben und die Politik wie die Religionen gleichermaßen beeinflussen. Den Trotz der zugestandenen Vielfalt in der persönlichen Glaubenshoffnung, muss die der Gesellschaft einheitlich sein und die Religionen werden hier auf eine harte Probe gestellt werden. Sie müssen nämlich mitmachen. Man wird sie für die Propaganda  brauchen. Sie werden das kommende Konzept, die neue Weltordnung absegnen und das wird ihnen den Status des falschen Propheten verleihen. Wer aber wird diesem, jede Religion in ihrer Ursprünglichkeit vernichtenden Konzept erliegen? Wer wird widerstehen können. Wer wird am allerletzten Vorabend der Erscheinung des Antichristen noch dogmatisch »rein« sein und damit moralisch in der Lage, die Zahl des Antichristen zu erkennen und zu verweigern (… Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres Off. 13:18)?
 
Wie also werden sich diese eschatologischen Konzepte durchsetzen? Zuerst einmal zum Islam. Dieser wird, wie ich vermute, zwar überleben, aber doch der Liberalisierung zum Opfer gefallen sein, gegen die er sich so wehrte. Die alten Ideologien Kommunismus und Kapitalismus werden offiziell als historische Vorstufen in der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft angesehen werden, nach der dialektischen Methode Hegels werden beide in einer Synthese aufgehen. Die fernöstlichen Religionen dürfen ihre Mythen und Traditionen weiter pflegen, nur ihre Infrastrukturen werden streng kontrolliert werden. Damit haben sie keine moralischen Probleme, weil sie an Politik nie sonderlich interessiert waren und werden sich vielleicht bis auf ein paar rebellierenden Sekten, ganz und gar unterordnen. Bleiben also noch das Judentum und das Christentum. Das Judentum kann als Religion nicht ohne seinen Nationalismus auskommen und wird deshalb einer Weltgemeinschaft immer misstrauisch gegenüber stehen. Es erwartet nach seiner Eschatologie einen Vorzug in seiner Rolle. Denn der Messias kommt wegen ihm auf diese Welt, so sagt es auch unzweideutig das alte Testament. Das Judentum wird sich also noch viel mehr als heute in einer Situation der Bedrängnis wiederfinden. Durch die Ereignisse die uns die Johannesoffenbarung berichtet, wird sich diese Entwicklung in Israel zuspitzen und laufend verschärfen, bis Israel letztendlich eine dreieinhalbjährige Besatzung erleben wird, in der der Antichrist auch in Jerusalem residieren wird. Dann werden sie ihren Messias tatsächlich erhalten und er wird sein Volk retten.
 
Bleibt zum Schluss noch übrig, zu fragen, wie die Christen in ihren unterschiedlichen eschatologischen Konzepten diese Zeiten bis zur Entrückung überleben werden. Die A-Millennialisten werden also wie gesagt kein Problem haben mit der neuen Weltordnung. Sie sind weitgehend ausschließlich an ihrem Seelenheil und ihrem Mystizismus interessiert. Die Post-Millennialisten rechnen nicht mit einer Wiederkunft Christi vor dem Millennium, sondern erst nachher, um die Welt zu richten. Das heißt, dass diese Sichtweise sich ein entstehen eines Friedensreiches vorstellen kann, ohne die sichtbare Anwesenheit des Herrn auf Erden. Die Bedingungen bleiben also gleich wie jetzt. Es wird lediglich von einer großen, weltweiten Erweckung ausgegangen, die der Erde ein ganz und gar christliches Ansehen beschert und sie damit fähig macht, Gerechtigkeit und Frieden für 1000 Jahre herzustellen. Der Akteur der diese bewerkstelligt, ist der Heilige Geist, seine Werkzeuge aber sind wie seit Beginn des Christentums, die Predigt der Evangelisten, Hirten und Lehrer. Manche meinen sogar, dass es dann wieder Apostel geben wird, die in charismatischer Höchstbegabung die Geschicke der Welt in die richtigen Bahnen lenken wird.
Mann muss aber zugeben, dass der literale Sinn der Johannesoffenbarung eher den Anschein prägt, dass Jesus zuerst wiederkommt und dann 1000 Jahre regiert, bis es zum Endgericht kommt. Es wird sogar der Eindruck vermittelt, dass sich vor der sichtbaren Wiederkunft Christi, wie sie in Off. 19 beschrieben wird, keine Möglichkeit geben wird, auf Erden nochmal etwas zum Guten zu bewegen, im Gegenteil, wird eine große Verstockung die Welt gegenüber dem Evangelium unempfindlich machen. Erneut scheinen sich die Verhältnisse umzukehren. Gott wendet sich Israel wieder zu und es erkennt mehr und mehr seinen Messias und vertraut auf ihn. Während die Decke, die auf ihrem Angesicht lag, nun auf die Heidenvölker gelegt wird.
 
Im der Apokalyptischen Szenario gibt es keine Erweckung, nur eine vollkommene Ausreifung des Bösen ist zu erkennen, die in der Herrschaft des Gegenchristus endet: jener schimärenhaften Person, die der Welt vorgaukelt, sie könne gegen den Allmächtigen ankämpfen und dem Menschen seine Autonomie bewahren die er seit dem Sündenfall innehat. Diese sogenannte prämillennialistische Sicht die dem Postmillennialismus konträr gegenüber steht, hat aber keineswegs eine rein essimistische Sicht. Denn sie erkennt in den vorangegangenen Schriften der Propheten des Alten Testamentes, dass diese relativ kurze Zeit der Apokalypse als Reinigungsprozess dient, um dem erwarteten messianischen Friedensreich die Grundlage zu geben, auch tatsächlich 1000 Jahre in Frieden und allgemeinen Wohlstand auszukommen. Die Basis aber ist nicht eine menschliche Revolution, sondern ein souveränes Eingreifen Gottes ohne menschlichem Zutun, das diesen Prozess ganz alleine bestimmt und der in einer Bindung des Antichristen und damit auch Satans für diese 1000 Jahre bringen wird. In diesem Millennium vollendet sich das Werk Gottes auf dieser alten Erde, bevor es eine neue Erde und einen neuen Himmel geben wird. Sämtliche prophetische Aussagen des alten Testamentes stützen jedoch ein nahezu vollkommenes Friedensreich auf Erden in vielen Weissagungen, die noch nicht erfüllt worden sind. Wenn man diese ernst nimmt und mit der gleichen Hermeneutik die man sonst anwendet wenn man die Bibel studiert betrachtet, dann kommt man nicht darum herum, dass es noch auf dieser Erde eine sichtbare Präsenz Jesu Christi in Jerusalem geben muss. Diese hier alle aufzulisten, würde jetzt zu weit führen. Es ist aber ein lohnendes Unterfangen, die Bibel auf diese noch nicht erfüllten Weissagungen hin zu untersuchen und ihre Bedeutung für die Zukunft festzustellen.
 
Ich behaupte einmal so: wenn jemand unvoreingenommen die Bibel liest und daraus unbeeinflusst eine Eschatologie formt, müsste er auf den Postmillenialismus stoßen und sich von ihm überzeugen lassen. Ein Post- oder A-millennialismus käme für ihn nicht in Frage, er würde unbeeinflusst gar nicht auf die Idee kommen, solches zu postulieren. Erst wenn er eine von über zweitausend Jahren Kirchengeschichte überlagerte Eschatologie studieren würde, kämen ihm Zweifel. Denn es wurde viel spekuliert und viele Thesen und Varianten wurden entwickelt in allen Konfessionen, sodass sich ein ziemlicher Nebel von Auslegungen unterschiedlichster Ausgangspunkte gebildet hat in dem sich kaum ein Student noch zurecht findet. Ich habe dem allem immer misstraut und mich fast ausschließlich mit den biblischen Weissagungen beschäftigt. Immer und immer wieder habe ich sie gelesen und verglichen und bin stets nur auf ein Ergebnis gestoßen, den Prämillennialismus, an den ich heute immer noch glaube und den ich verteidige.
 
Aber warum muss oder sollte man das tun? Was ist so schlimm an den unterschiedlichen Auslegungen, sodass man alle anderen verwerfen muss um zu der einen wahren zu kommen? In einer Versammlung von Mitarbeitern aus unterschiedlichen Gemeinden, in der wir einmal auf dieses Thema zu sprechen kamen, erwähnte ich einmal diesen Unterschied und dass ich ihn für bedeutend halte. Man hat mich regelrecht ausgelacht, es erschien einigen völlig absurd, dass dies einen Unterschied in der Glaubensqualität machen sollte. In all den Zeiten, in denen wir nur meinten, dass Endzeit wäre, es aber nicht so war, machte es tatsächlich kaum einen Unterschied aus. Wenn Gläubige zusammenarbeiten, braucht es eine ausreichend große gemeinsame theologische Grundlage. In der Regel reichte es aus, wenn man sich in den Grundlagen der Theologie und der Erlösungslehre (Trinität, Rechtfertigungslehre etc.) ganz und in der Gemeindelehre zu einen guten Teil einig war. Auch das Verhältnis zur Heiligen Schrift musste meistens ein geklärtes sein. Aber niemand kam auf die Idee, Eschatologie als etwas zu postulieren, das so entscheidend ist, dass man eine Zusammenarbeit von deren Übereinstimmung abhängig machen müsste. Und doch ist es jetzt, da wir tatsächlich in der Endzeit leben, genau so. Wir können diese letzten Schritte nicht mehr gemeinsam mit jedermann gehen. Auch nicht mit jedem der sich Christ nennt. Das ist übrigens auch die Lehre die uns das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen vermitteln will. Warum aber sollte das nicht gehen?
 
Zunächst einmal sind wir in der Endzeit. Davon sind nicht nur wir überzeugt, sondern auch alle anderen Religionen, Ideologen und Philosophien. Selbst die nüchternsten Naturwissenschaftler zweifeln nicht daran, dass wenn kein radikaler Kurswechsel stattfindet, sich die Menschheit einer großen, existenzbedrohenden Katastrophe nähert. Das Wort Apokalypse ist in aller Munde und man könnte in der heutigen Zeit sehr viel darüber schreiben, welche Vorstellungen es davon gibt. Nun denken nicht mehr nur wir in endzeitlichen Szenarien und stellen uns vor, wie die Welt gerettet werden könnte. Auch alle anderen tun es, in Anlehnung an ihre religiösen und philosophischen Grundüberzeugungen. In dieser Situation wollen Menschen die Welt retten, indem sie eine neue Weltordnung aufbauen und zwar eine nach moralisch-ethischen Prinzipien. Wie in Millionen von Filmen und Romanen vorgegaukelt, muss das Gute siegen und das Böse unter gehen. Und auch wenn man sich nicht darüber einig ist, was denn Gut und was Böse ist, so herrscht doch Einigkeit darüber, dass nur eine gemeinsame Weltweite Initiative überhaupt eine Chance hat. Es wird also die Weltgemeinschaft beschworen und es ist nicht einsehbar, warum man diesen Initiativen reserviert gegenüber stehen sollte.
 
Der Postmillennialismus ist nun in dieser Phase höchst verführbar. Er wird sich auch mit antichristlichen Kräften einlassen, die sich teils auch verstellen um ihrerseits das Christentum zu vereinnahmen und manipulieren zu können. Das offizielle Christentum der Kirchen wird sich dieser Manipulation hingeben unter Verweis auf Römer 13:1-7. Doch die denen sie sich unterordnen werden keine nationalen Regierungen sein, sondern ideologisch geprägte Verfechter einer neuen Weltordnung, eines neuen Weltethos, wie er von einigen schon in unseren Tagen präsentiert wurde.
 
Ich behauptete hier also, dass der Postmillennialist gefährdet ist. Denn die Ziele des Postmillennialismus und der antichristlichen humanistischen Ideologien sind weitgehend die gleichen. Man will die Welt retten und endlich dass Friede ist. Für dieses große Ziel werden alle willigen Kräfte gesammelt. Als erstes wird die kath. Kirche einlenken und sie tut es bereits. Denn die kath. Kirche ist seit Augustinus traditionell postmillennialistisch ausgerichtet. Schon Augustinus prognostizierte eine tausendjährige Herrschaft der Kirche über die Erde und im ersten Millenniumswechsel, um das Jahr 1000 herum die Wiederkunft Christi. Natürlich musste man zugeben, dass sich das nicht erfüllt hat. Dennoch hält man Augustinus für fundamental wichtig und hält an seiner unbiblischen Eschatologie fest. Von der kath. Kirche aus, wird dann der Virus über die gesamte Christenheit ausgebreitet werden und dank der Ökumene und der Weltweiten Evangelischen Allianz wird sich kaum eine Konfession dem entziehen können.
 
So wird sich der Postmillennialismus mit anderen eschatologischen Konzepten vermischen und dem letzten antichristlichen Weltreich zur Geltung verhelfen. Ein besiegter Islam wird sich integrieren, die Ideologen werden sich weiterhin in die Synthese flüchten und die Mystiker werden sich weiterhin in großer Duldung abschotten und sich ausschließlich für ihr eigenes Heil interessieren. Aber in heftige Opposition und Widerstand geraten werden das Judentum und die prämillennialistischen Christen. Beide warten auf den Messias. Allmählich wird es dem letzten gläubigen Juden dämmern, dass beide auf den gleichen warten. Die letzte siebenjährige Herrschaft des Antichristen wird nun diese bis dahin wahrscheinlich kleine Gruppe von letzten gläubigen Christen, die sich keine Kompromisse mit den antichristlichen Kräften erlaubt haben, entrückt werden. Diejenigen, die dem Druck des Zeitgeistes widerstanden haben und an einer sichtbaren Wiederkunft Christi zur Errichtung seines Reiches geglaubt haben, das ohne Zutun der Menschen aufgerichtet werden wird. Man darf das nicht falsch verstehen. Diese letzten Diener des Herrn werden nicht passiv abwarten, sondern aktiv, mehr als je zuvor, Werke der Nächstenliebe vollbringen, aber ohne Selektion und berechnender Absicht. Es werden die Werke sein, die Christen immer getan haben, weil sie das Wesen Jesu an sich entdeckten, der an keiner Not vorbeigegangen ist ohne zu helfen. Gezielten Aktionen aber die auf einen gesellschaftlichen Transformationsprozess abzielen, werden sie meiden, denn daran glauben sie nicht. Tatsächlich werden sich viele dieser Aktionen ohnehin immer wieder als Missbrauch herausstellen und in ihrer Wirksamkeit höchst fragwürdig sein.
 
So ist es erklärbar, dass in den allerletzten Tagen das echte wahre Christentum hervorstechen wird, aber nicht um geachtet sondern verfolgt zu werden. Und auch das Judentum wird diese Verfolgung erleiden, da es sich nicht ganz und gar dem antichristlichen System unterwerfen wird. Man wird an den alten Weissagungen festhalten, die Abraham gegeben worden sind. Es bleibt auch zu hoffen, dass viele Araber erkennen, dass sie eine ähnliche Hoffnung haben, die ebenfalls auf Abraham gegründet ist. Auch sie werden überleben und als Volk das Millennium erreichen. Wie viele das aber sein werden, ist nicht klar, es wird wohl davon abhängen, wie lange sie noch Israel und der Wahrheit widerstehen.
 
Ich bin kein Prophet, zumindest nicht in dem Sinne, dass ich eigene direkte Eingebungen von Gott habe. Was ich habe, kommt aus der Heiligen Schrift, auch wenn ich der Kürze wegen auf detaillierte Schriftbeweise hier verzichtet habe. Vielleicht kann ich, so der Herr will, dies in einem weiteren größeren Werk zusammentragen. Jedenfalls aber haben meine Worte deshalb prophetischen Charakter und ich meine dass sie ernst zu nehmen sind. Wie die Konsequenzen für jeden Einzelnen Gläubigen ausfallen sollten, kann ich nicht beurteilen, das muss jeder selbst herausfinden. Nur hat es Konsequenzen, das ist sicher. Wir können in dieser Zeit nicht mehr mit einer instabilen Eschatologie durch das Leben gehen, ohne damit zu rechnen, dass wir ordentlich verführt werden könnten.
 
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