Wenn wir an Babylon denken, dann wissen wir, dass der Herr dort die Sprachen verwirrt hat, sodass die Menschen nicht zusammenbleiben konnten und sich überall auf der Welt Völker bildeten. Diese Tatbestand scheint sich mehr und mehr aufzuheben, durch Sprachen, die zu Weltsprachen werden. Wenn es einmal nur mehr eine Weltsprache gibt und diese dominiert, das Englische ist ja bereits auf bestem Weg dahin, dann spricht wieder alles einerlei Sprache bis auf wenige Außenseiter und die Dimension einer möglichen Weltregierung ist wieder offen, der Turmbau kann aufs Neue beginnen. Deshalb finden wir auch in der Johannesoffenbarung ein Gericht über Babylon. Wo Babylon sich dann genau befindet, ist eigentlich eine nicht so interessant, als die Antwort auf die Frage, wie Babylon denn wieder entstehen kann: eine starke dominante Metropole, die der Welt eine einheitliche Kultur verpasst, auf der Basis einer einheitlichen Weltsprache.

Nun gibt es daneben aber auch ein anderes Phänomen, das im Zuge der Moderne aufgetreten ist. In meinem Buch »die Dämonen der Moderne« gehe ich darauf ein, aber nicht sehr ausführlich. Es beschäftigt mich nämlich auch, dass wir zwar die Entwicklung einer Sprachvereinheitlichung haben, aber andererseits auch eine der Begriffsverwirrungen. Begriffe werden, meist zuerst als Fremdwörter, dann im Alltagsgebrauch so verwendet, dass damit mühelos Menschen zu manipulieren sind. Manchmal sind das auch kuriose Wortneuschöpfungen, wie das zuletzt aufgekommene Wort »postfaktisch«. Dieses Wort meint eine Gesinnung, die angeblich dem Postmodernen Menschen zu eigen ist, nämlich sich in der Entscheidungsfindung über Fakten hinwegzusetzen und damit neue Fakten zu schaffen, die im Widerspruch zu den alten stehen. Dies hängt mit der Relativierung des Wahrheitsbegriffes zusammen, wenn es nicht die eine Wahrheit gibt, sondern jeder eine eigene haben kann, dann ist postfaktisches Handeln auch plausibel. 

Aber in Wirklichkeit, das wissen wir, gibt es doch die eine Wahrheit und wer sich dieser entzieht, beschwört Probleme herauf. In der Naturwissenschaft ist das leicht zu belegen. Postfaktisches Handeln wäre eben auch, wenn ich weiß, dass es auch giftige Pilze gibt, aber weil ich so gerne Pilze esse, aber etwas gehfaul bin und nicht so lange suchen möchte, setze ich mich darüber hinweg und nehme die nächstbesten, die ich finden kann. Das ist natürlich Unsinn und jeder weiß das. Es gibt unzählige Naturgesetze, also Fakten, die wir niemals übertreten würden, so dumm sind wir nicht. Jedoch im Bereich der Geisteswissenschaften scheint es diese Gesetze nicht zu geben und jeder meint tun und lassen zu können, was er will.

Die Moderne ist reich an solchem Verhalten, das ist nicht erst eine Angelegenheit der Postmoderne, aber man sieht es nicht, oder will es nicht sehen. Wir Menschen sind doch alle meist recht denkfaul und so schieben wir unsere Erfahrungen mit Menschen und unser soziales Verhalten sehr rasch bestimmten Stereotypen zu. Was ich meine ist, dass wir geneigt sind, uns einander zu kategorisieren. Im Volksmund heißt das Schubladendenken. Wir verteilen Etiketten  und das meist auf Grund sehr grober, keineswegs faktisch erwiesener Erkenntnisse, die lediglich auf unseren eigenen Erfahrungen beruhen. Dieses Schubladendenken aber verhindert jede ehrliche Auseinandersetzung mit den eigentlichen Problemen oder Fakten, die verhindern, dass unsere Beziehungen harmonisch verlaufen. Wir beurteilen Menschen nachdem wir sie auch nur kurz kennengelernt haben und wissen schon, was das für ein Typ ist.

Gut, im Privaten Bereich, trifft es nur uns, wenn wir so handeln und wir sind es, die für Fehleinschätzungen bezahlen müssen. Viel dramatischer aber ist, was sich in Politik und Gesellschaft abspielt. Da, wo es nicht mehr nur um das eigene Wohl und Weh geht, sondern um das von ganzen Völkern und Gesellschaftsschichten, gerade da wuchert das Unkraut der Vorurteile nur so und erstickt jeden Keim der Vernunft. Ich will hier heute vor allem die Begriffe links uns rechts herausnehmen. Diese Etiketten, werden gerne vergeben, um die politischer Gesinnung von Menschen zu bezeichnen und diese darauf festzulegen. Doch was ist eigentlich links und rechts. Was meint man, wenn man diese Wörter anders verwendet als im physikalischen Alltag? Als Linker wird jemand bezeichnet, der sozial oder sogar kommunistisch denkt. Als Rechter gilt hingegen jemand, der sich für Volk und Vaterland interessiert und zwar für das eigene. Fremden gegenüber ist er zumindest misstrauisch, was sich gelegentlich auch in panische Angst steigert.

Die ganze Gesellschaft scheint seit über hundert Jahren auf diese beiden Begriffe festgelegt zu sein und versucht sich zwischen ihnen zu bewegen, mal mehr in die eine Richtung, mal mehr in die andere tendierend. Auch neugegründete Parteien werden erst einmal darauf abgeklopft, wo sie stehen, links oder rechts. Auch eine sogenannte Partei der Mitte hat aber meist einen linken und einen rechten Flügel, was zeigt, dass eine Mitte allenfalls eine Gratwanderung darstellt und keine wirklich Alternative bietet. Sich dem zu entziehen ist meist unmöglich, weil Medien sich dieses Schemas bedienen um eine Person oder eine Gruppe zu kategorisieren und scheinbar in ein geschichtsharmonisches Bild einzufügen. Gerade hier aber liegt das Problem. Denn wie geschichtlich ist den dieses Bild wirklich? Ist diese Beurteilung Ergebnis eines Faktums, oder ist es nicht gerade erst recht postfaktisch, auch wenn es ein Verhalten ist, das der Modernen vom Anfang an zu eigen war?

Woher kommen diese Begriffe, die uns so scheinbar schicksalshaft auferlegt sind? Sind sie überhaupt richtig und wenn nicht, wie könnten wir sie überwinden? Ich will gleich voraus schicken, dass ich persönlich keine Möglichkeit sehe, dieses und andere Schemata von Vorurteilen zu überwinden, dies würde nämlich zur Bedingung haben, dass die gesamte zivilisierte Welt mit einem mal anfangen würde ehrlich zu sein und nicht mehr zu lügen. Das ist aus meiner Sicht aber eine Fiktion. Ohne einen massiven Eingriff von außen wird diese Welt solch eine Veränderung nicht erleben. Die Wiederkunft Christi allein kann solch einen massiven Eingriff sein und so wird sie auch von den Gläubigen erwartet. Er wird die Welt einnehmen mit dem Schwert seines Mundes und er wird Wahrheit und Gerechtigkeit wieder herstellen, für immer und ewig.

Nichtsdestotrotz ist es wichtig, diese ungeheure Täuschung, die durch die Prägung von solchen Stereotypen wie links oder rechts entstanden ist, für sich persönlich zu entlarven, um nicht weiter auf diesem Gebiet verführbar zu sein.

Was aber ist geschehen, wer hat dieses Schema entwickelt, wie ist es entstanden und warum richten sich alle danach? Man müsste dieser Frage ernsthaft nachgehen und ergründen, was dahinter steckt.

 

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