Israels Zukunft

Der entscheidende Bund für Israels Zukunft war der Moabitische Bund, den Gott mit Israel im Lande Moab geschlossen hat, bevor dieses in das Land Kanaan einzog. Es war das letzte was Moses noch leitete. Dieser Bund wird ausdrücklich als ZUSATZ zum Sinaibund bezeichnet und nicht als Wiederholung.

5.Mose 28:69 Dies sind die Worte des Bundes, von dem der Herr dem Mose gebot, ihn mit den Kindern Israels zu schließen im Land Moab — außer dem Bund, den er mit ihnen am Horeb geschlossen hatte.

Es beginnt aber schon in 5. Mose 27 mit der Darlegung von Segen und Fluch und den Bedingungen für den Einzug. Dann versammelt Moses das Volk noch einmal und legt ihm den Bund dar, den Gott als Ergänzung zum Sinaibund mit dem Volk schließen möchte. Der Bund hat in seiner Kernaussage folgenden Wortlaut:

5. Mose 60:1 Es wird aber geschehen, wenn alle diese Worte über dich kommen werden, der Segen und der Fluch, die ich dir vorgelegt habe, und du es dir zu Herzen nimmst unter all den Heidenvölkern, unter die dich der Herr, dein Gott, verstoßen hat, 2 und wenn du umkehrst zu dem Herrn, deinem Gott, und seiner Stimme gehorchst in allem, was ich dir heute gebiete, du und deine Kinder, von ganzem Herzen und von ganzer Seele, 3 so wird der Herr, dein Gott, dein Geschick wenden und sich über dich erbarmen und wird dich wieder sammeln aus allen Völkern, wohin dich der Herr, dein Gott, zerstreut hat. 4 Und wenn du auch bis an das Ende des Himmels verstoßen wärst, so wird dich doch der Herr, dein Gott, von dort sammeln und dich von dort holen. 5 Und der Herr, dein Gott, wird dich in das Land zurückbringen, das deine Väter besessen haben, und du wirst es in Besitz nehmen, und er wird dir Gutes tun und dich mehren, mehr als deine Väter. 6 Und der Herr, dein Gott, wird dein Herz und das Herz deiner Nachkommen beschneiden, daß du den Herrn, deinen Gott, liebst von ganzem Herzen und von ganzer Seele, damit du lebst. 7 Aber alle diese Flüche wird der Herr, dein Gott, auf deine Feinde legen und auf die, welche dich hassen und dich verfolgt haben. 8 Du aber wirst umkehren und der Stimme des Herrn gehorchen und alle seine Gebote befolgen, die ich dir heute gebiete.

Man beachte, dass die Aussage in der Form einer Weissagung formuliert ist. Das heißt es gibt keine reine Wenn-Dann Bedingung in diesem Bund, sondern es wird einfach gesagt, es wird Segen und Fluch über Dich kommen. Du wirst unter die Heiden zerstreut werden. Und dann geht es weiter: du wirst wieder gesammelt werden und dich bekehren und Gott wird das Herz deiner Nachkommen beschneiden, dass Du den Herrn liebst ... Auch die Bekehrung, um die Israel natürlich nicht umhinkommen kann, ist eine Verheißung: Du wirst umkehren (8) und der Stimme des Herrn gehorchen und seine Gebote befolgen, die ich dir heute gebiete.

 

Vor allem das beschnittene Herz (6) ist das Kriterium dieses Bundes. Denn der mosaische Bund ließ das Volk zurück mit einer äußerlichen Beschneidung und mit einem Gesetz, von dem klar war, dass das Volk es nicht würde halten können. Das war in der Wüste schon klar geworden und Moses sagte das auch ganz deutlich.

5. Mose 31:27 Denn ich kenne deinen Ungehorsam und deine Halsstarrigkeit. Siehe, noch [bis] heute, während ich [noch] unter euch lebe, seid ihr ungehorsam gegen den Herrn gewesen; wieviel mehr nach meinem Tod!

Dieser Bund ist also eine Versicherung für den Fall, der eintreten wird, dass Israel den Bund nicht hält und in alle Völker zerstreut werden wird. Es ist nicht möglich, diese Aussagen auf die spätere Gemeinde zu deuten, denn hier geht es ja um die Gesetzeserfüllung und die ist für die Gemeinde nicht vorgesehen, ebenso wie eine Zerstreuung unter die Heiden nicht sinnvoll auf die Gemeinde gelegt werden kann, die ja ohnehin aus den Heiden berufen wurde. Was hier beschrieben wird ist tatsächlich eine Verpflichtung Gottes, das ethnische Volk Israel auf alle Fälle zur Volendung zu bringen und zwar in diesem Land, in das er sie jetzt hineinführen wird. Dies ist auch das Selbstverständnis des Volkes Israels bis heute und nur deshalb hat dieses Volk überlebt und sich nicht zur Gänze assimiliert.

Zugleich aber ist dieser Bund auch die Klammer zwischen Abrahamsbund und Sinaibund. Denn der Abrahamsbund enthielt ja keine Verpflichtung für die Nachkommen Isaaks und Jakobs, außer der Beschneidung. Der Sainaibund jedoch enthielt eine sehr starkte Verpflichtung mit äußerst harten Konsequenzen. Der Abrahamsbund versprach dem künftigen Volk das Land zum ewigen Besitz, der Sinaibund relativiert das und macht es von einer Bedingung abhängig. Man könnte auch sagen, dass sich Abrahamsbund und Sinaibund eigentlich widersprechen, denn das Dilemma des Volkes ist ja klar: nun hat es die Verheißung auf ein Land von Abraham her, aber zugleich die Drohung, es zu verlieren, von Moses her. Dieser Widerspruch löst sich nun im Moabitischen Bund auf, indem Gott sagt: ihr könnt das Gesetz zwar nicht halten und werdet das Land deshalb wieder verlieren, aber ich werde dafür sorgen, dass ihr wieder zurückkommen werdet und das Gesetz dann doch halten werdet können, denn Eure Herzen werden dann beschnitten sein. So geht also durch den Moabitsichen Bund der Abrahamsbund doch noch in Erfüllung, trotz des Gesetzes.

 
Natürlich ist die Beschneidung des Herzens eine neutestamentliche Sache. In Jesaja finden wir dazu die folgende Aussage:
Jer.24:7 und ich will ihnen ein Herz geben, daß sie mich erkennen sollen, daß ich der Herr bin; und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein; denn sie werden sich von ganzem Herzen zu mir bekehren.
Natürlich deuten wir diesen Vers auf das neue Volk Gottes, die Gemeinde, die im Gegensatz zu Israel zu Pfingsten den Heiligen Geist bekommen hat und seitdem ist jeder wahrhaft Gläubige mit diesem neuen (beschnittenem) Herzen ausgestattet um der Sünde dauerhaft widerstehen zu können. Aber schließt das Israel als Nation für alle Zeiten aus? Paulus meint Nein, sondern nur für eine gewisse Zeit, in der ihnen Blindheit für das Evangelium widerfahren ist. Vom Moabitischen Bund her aber müssen wir es sogar zwingend annehmen, dass auch Israel als ethnisches Volk dieses neue Herz bekommen wird, denn im Gegensatz zur Jesajastelle lässt sich der moabitische Bund eben nicht auf die Gemeinde umlegen.
 

Das alles lässt nur eine Schlussfolgerung zu, nämlich dass es in Israel eines Tages ein eigenes Pfingsterlebnis geben wird. Die heutigen messianischen Juden sind Bestandteil der Gemeinde Jesu Christi, sie gehören vermutlich nicht dazu. Wir haben aber in der Johannesoffenbarung mit der Versiegelung der 144 000 einen deutlichen Hinweis auf dieses Ereignis. Hier wird auch das Judentum wieder zu Israel. Denn gelichzeitig mit der Versiegelung, die eigentlich nichts anderes sein kann als eben die Beschneidung des Herzens zur Erfüllung des Moabitschen Bundes, wird Israel wieder in 12 Stämme eingeteilt, was signalisiert, dass für Gott nun das Aufrichten des Königreiches Israel höchste Priorität hat. Von da an muss die Erfüllung aller noch ausstehenden Weissagungen des alten Testamentes erwartet werden, vor allem jenen die sich auf Jerusalem beziehen. Denn eines ist klar, bevor das himmlische Jerusalem kommt, wird es ein Millennium geben, in dem das irdische Jerusalem noch einmal zu höchster Ehre kommt, als Stadt Gottes.

Ich stelle mir aber vor, das Israel in dieser Zeit das Priestervolk sein wird, das den Gottesdienst organisiert, zu dem die Heidenvölker dann in Scharen pilgern werden. Die Gemeinde selbst ist dann an der Seite Jesu zu finden, denn wir werden ja mit ihm regieren, jene 1000 Jahre. Israel aber wird vermutlich im Millennium den Auftrag haben, die Welt aufs Neue zu missionieren. Das im letzten Absatz von mir Gesagte ist natürlich nicht aus der Schrift belegbar, nicht alles ist uns geoffenbart worden. Aber von einer gewissen Logik ausgehend, könnte es so sein.

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