Wie definiert man Liebe?

In meinem Ehevorbereitungskurs, den ich wieder einmal für ein verlobtes Paar halten durfte, habe ich eine Definition von Liebe versucht, die ich hier auch veröffentlichen möchte.

Wir definieren Liebe ja meist als ein Gefühl. Doch Liebe ist so vielschichtig, dass das doch eine sehr arge Verkürzung ist, die leider von den Medien immer wieder so verbreitet ist.

Liebe zu definieren ist daher nicht so einfach. Die Griechen hatten es da viel einfacher, weil sie dafür drei Wörter zur Verfügung hatten und nicht nur eines wie wir heute in vielen Sprachen.

Andererseits aber hat auch das hebräisch dafür nur ein Wort, es ist also auch nicht von der Hand zu weisen, dass alles doch zusammen gehört und alle drei Bereiche bedeutsam sind für ein menschliches Leben.

Hier nun die Definition in einer tabellarischen Übersicht:

EROS, also die sexuelle Liebe ist durch und durch sinnlich. Wobei die Griechen darunter nicht nur das reine Sexualleben des Menschen verstanden. Eros, das war auch der Genuss von Wein, Gesang, gutem Essen, also alles, was wir über die Sinne aufzunehmen bereit sind und deshalb »lieben«. Dieser sinnliche Genuss ist ganz auf Empfang ausgerichtet. Es ist das Ziel, das was man liebt, unbedingt haben zu wollen. Daraus ergibt sich die natürliche Gefahr, dass der Eros zerstörend wirken kann, dann nämlich, wenn jemand den sinnlichen Genuss sucht, der ihm nicht zusteht. Wenn das der Fall ist, werden Beziehungen zerbrochen und wird das gesellschaftliche Zusammenleben erschwert. Die Konsequenz ist, dass der Eros eingegrenzt werden muss, durch sittliche Verhaltensnormen und ggf. auch durch Gesetze mit Strafandrohungen.

Das braucht es nicht bei PHILEA denn bei ihr handelt es sich um die Freundschaftsliebe, oder auch die verwandtschaftliche Liebe. Sie ist nicht auf den sinnlichen Genuss ausgerichtet, sondern auf Beziehungen. Sie spornt uns an, auch einmal auf etwas zu verzichten, um es dem anderen zuzugestehen, denn sie ist auf Ausgleich bedacht und hat darin etwas Berechnendes. Philea macht Geschenke, um den anderen zu gewinnen. Sein Wohlergehen liegt uns am Herzen. Wenn jedoch Philea nicht erwidert wird, kann sie nicht bestehen. In ihren Ausgleich wirkt sie also bewahrend. Sie bewahrt Freundschaft und Familienbande und muss deshalb von beiden Seiten gepflegt werden. Die Stabilität der ganzen Gesellschaft hängt davon ab, wie sehr die Philea in ihr verankert ist.

Das dritte aber ist die AGAPHE. Dieser Begriff wurde eigentlich erst von den Christen so richtig verwendet und exclusiv auf die göttliche Liebe angewendet. Denn die Entdeckung der Christen war, dass es noch etwas höheres, bedeutsameres als Philea gibt. Die Liebe Gottes nämlich ist verschwendend und Neues schaffend, indem er uns immer wieder reich beschenkt. In der Hingabe Christi als Opferlamm für die Sünden der Welt, hat sich das deutlich manifestiert. Aber auch für uns Menschen ist sie erreichbar. Auch wir können durch Hingabe Neues schaffen, das ist mehr als nur Altes bewahren. Die Verschwendung unseres Lebens an eine Sache oder Menschen, die uns eigentlich nicht nahe stehen, wurde seither oft beobachtet und bewundert. Agaphe aber kann man nicht von Natur aus haben. Dahinter steckt eine Geschichte mit Gott, in der man sie sich von ihm erbeten hat. Denn der Mensch an sich ist maximal zur Philea fähig und selbst da hat er oft Probleme, wie will er dann ohne Gott zur Agape gelangen?

Leider werden diese Zusammenhänge in unserer Zeit nicht mehr erkannt. Das ist der Grund, warum auch sittliche Werte und Normen immer mehr außer Acht geraten. Das Leben wird heute weitgehend nur mehr erotisch aufgefasst, also lediglich mit den Sinnesorganen und selbstbezogen.

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