Der Bund im Lande Moab (Deut 28-30)

(leicht überarbeitet aus dem EBÖ Scriptum Einführung in das Alte Testament)
In den beiden Kapiteln wird nun ein neuer Bund formuliert, den es so am Sinai noch nicht gegeben hat (28:69).

Dies sind die Worte des Bundes, von dem der HERR dem Mose gebot, ihn mit den Kindern Israels zu schließen im Land Moab — außer (zusätzlich) dem Bund, den er mit ihnen am Horeb geschlossen hatte

Dieser moabitische Bund, den Gott mit Israel geschlossen hat ist heute den meisten unbekannt. Man kennt nur den Sinaibund. Der beinhaltet die Übergabe des Gesetzes und die Verpflichtung Israels es zu halten. Israel hätte auch NEIN sagen können, wenn es denn die Einsicht seiner Sündhaftigkeit schon gehabt hätte. Aber sowohl die gewählten Ältesten, als auch die ganze Versammlung dieses jungen Volkes sagte in ihrer Selbstüberschätzung von ganzem Herzen JA zum Gesetz, als es ihnen verkündigt wurde und als sie es, nachdem es niedergeschrieben war, vorgelesen bekamen. Damit begann die Geschichte des erwählten Gottesvolkes in Realität, davor war sie nur eine virtuelle Vision die Gott Abraham gegeben und dem Moses ins Gedächtnis gerufen hatte.

Doch etwas wurde am Sinai nicht festgelegt, nämlich was geschehen würde, wenn das Volk den Bund brechen sollte. Nun war ja auf dem Weg bis an den Jordan, vor die Tore des kanaanitischen Kernlandes, klar geworden, dass Israel eine Schwäche hatte. Moses nennt das Problem beim Namen:

 

Und der Herr hat euch bis auf diesen heutigen Tag noch nicht ein Herz gegeben, das verständig wäre, Augen, die da sähen, und Ohren, die da hörten. (Deut 29:3 LÜ)

Eigentlich könnte man das Experiment damals nach 40 Jahren Wüstenwanderung am Eingang ins Heilige Land längst als gescheitert betrachten, wie Gott Moses ja schon mehrere Male angedeutet hatte, indem er ihm anbot, mit ihm etwas Neues zu beginnen. Nicht zuletzt aber war es die beharrliche Weigerung des Mose, die dem Volk immer wieder eine neue Chance in der Gnade Gottes eröffnete. Nun aber soll ein Bund gemacht werden, der die Schwäche des Volkes berücksichtigt und das Ziel Gottes samt der Verheißung zur Erreichung dieses Zieles Gottes, festschreibt.

Dieser Bund wurde im Lande Moab gemacht, weshalb ich ihn einfachheitshalber den Moabitischen Bund nenne. Der Abschnitt beginnt damit, dass Israel die Konsequenz seines Handelns aufgezählt wird. Die beste Konsequenz ist die Erreichung des Zieles, das höchste aller Völker auf Erden zu sein (28:1-2).

Wenn du nun der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen wirst, dass du hältst und tust alle seine Gebote, die ich dir heute gebiete, so wird dich der HERR, dein Gott, zum höchsten über alle Völker auf Erden machen. Und es werden über dich kommen alle diese Segnungen, und sie werden dich treffen, weil du der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorsam gewesen bist.

Gott hat sich Israel erwählt, nicht weil es ein großes Volk war, sondern weil es das kleinste unter den Völkern war und weil er es liebte (7:7-8).

Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –,
sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der HERR euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.

Die Erwählung begann mit einem einzigen Mann, Abraham, und dem Eid, dem Gott ihm geschworen hatte, einem seiner Nachkommen das Land Kanaan zu geben. Der Nachkomme war Isaak und in der Folge Jakob, dessen Söhne dann die Keimzelle des Volkes bildeten. Aber das von Gott erwählte Volk war vorerst über 400 Jahre außerhalb des von Gott erwählten Landes. Damit war die Verheißung an Abraham noch nicht erfüllt worden.

Jetzt aber sollten Volk und Land eine Einheit werden und damit war die Voraussetzung für eine vollständige Erfüllung des Abrahambundes gegeben. Israel konnte nur in seinem Lande werden, wozu es erwählt worden war, nämlich das Volk von dem aus Gott die Welt regieren wollte. (28:9-10)

Der Herr wird dich zum heiligen Volk für sich erheben, wie er dir geschworen hat, weil du die Gebote des Herrn, deines Gottes, hältst und in seinen Wegen wandelst. Und alle Völker auf Erden werden sehen, dass über dir der Name des Herrn genannt ist, und werden sich fürchten.

Nun gibt es aber zur Erreichung dieses Zieles noch eine wichtige, unverzichtbare Bedingung: das Volk muss die Gebote Gottes einhalten und in seinen Wegen wandeln. Nur so kann seine Heiligkeit nicht nur de jure, sondern auch de facto erreicht werden. Das heißt: die Erwählung brachte ein Anrecht darauf, das Volk Gottes zu sein, die Einhaltung des Gesetzes löst dieses Anrecht ein. Denn es ist ja nicht vorstellbar, dass ein heiliger und gerechter Gott, ein Volk hat, das unheilig und ungerecht ist.

Was aber geschieht, wenn das Volk sein Anrecht nicht einlöst? Diese bislang offene Frage wird nun durch die Ankündigung von Segen und Fluch geklärt. Wenn das Volk die Gesetze hält und de facto zum Gottesvolk wird, dann soll es davon auch reichen Segen und Gewinn haben. Zu Heiligkeit und Gerechtigkeit gesellen sich Stärke und damit Friede, sowie Wohlstand und Sicherheit (28:3-14). Soweit so klar, aber was, wenn nicht?

Wenn Israel das Vorrecht aber verschmäht und nicht einlöst, dann wird sich alles gegen das Volk wenden. Es wird sich der Bedrängnis durch Kriege, Hunger und Krankheiten nicht mehr erwehren können und muss bei fortgesetztem Ungehorsam sogar das Land verlassen. Nun ist aber, nach all dem was wir bisher über das Volk wissen, die Wahrscheinlichkeit extrem gering, dass dies lange gut gehen wird. Was passiert aber dann, wenn es nicht klappt? Das war ja der Ausgangspunkt unserer Frage. Darauf gibt uns der Bund im Lande Moab nun eine klare Antwort: Gott wird sein Volk nicht verwerfen, sondern es verändern und zurückbringen in sein Land.

Dass Gott das Volk nicht verwirft ist schon daran ersichtlich, dass er sich dann die Mühe der Bestrafung gar nicht machen würde. Hebr. 12:6 sagt uns:

wen der Herr lieb hat, den züchtigt er, und er schlägt jeden Sohn, den er annimmt. Es dient zu eurer Erziehung, wenn
ihr dulden müsst …

Wir sehen also, dass die Strafe die Liebe Gottes zu seinem Volk nicht relativiert. Eher würde die Nicht-Bestrafung darauf hindeuten, dass Gott das Volk
verworfen hat und sich selbst überlässt, denn am Ende der Zeit wird ohnehin über alle Völker und Menschen das Gericht gehalten, was zur Verdammnis führen würde. Das aber will Gott nicht und so nimmt Er es in seine Schule, und wenn es denn sein muss auch außerhalb des Landes, das in dieser Zeit verwüstet und unbewohnbar daliegen wird (29:21-23).

Er tut dies allerdings ohne sein Ziel mit Israel jemals aufzugeben. Das ist der Kern des Bundes im Lande Moab: Gott wird das Volk, wenn es auch zerstreut ist in alle Welt, doch wieder sammeln und sich seiner erbarmen, wenn es Buße tut (30:1-6).

Wenn nun dies alles über dich kommt, es sei der Segen oder der Fluch, die ich dir vorgelegt habe, und du es zu Herzen nimmst, wenn du unter den Heiden bist, unter die dich der HERR, dein Gott, verstoßen hat, und du dich bekehrst zu dem HERRN, deinem Gott, dass du seiner Stimme gehorchst, du und deine Kinder, von ganzem Herzen und von ganzer Seele in allem, was ich dir heute gebiete, so wird der HERR, dein Gott, deine Gefangenschaft wenden und sich deiner erbarmen und wird dich wieder sammeln aus allen Völkern, unter die dich der HERR, dein Gott, verstreut hat.
Wenn du bis ans Ende des Himmels verstoßen wärst, so wird dich doch der HERR, dein Gott, von dort sammeln und dich von dort holen und wird dich in das Land bringen, das deine Väter besessen haben, und du wirst es einnehmen, und er wird dir Gutes tun und dich zahlreicher machen, als deine Väter waren.
…… . Aber alle diese Flüche wird der HERR, dein Gott, auf deine Feinde legen und auf die, die dich hassen und verfolgen. Du aber wirst umkehren und der Stimme des HERRN gehorchen, dass du tust alle seine Gebote, die ich dir heute gebiete.

Dies ist eine natürlich eine prophetische Weissagung, dass es so kommen wird. Israel wird sich bekehren, das stand somit schon fest, noch bevor das Land erobert worden ist. Doch die Voraussetzungen, unter denen Israel – zurückgekehrt – den Bund des Gesetzes doch noch erfüllen wird, mit Tempel, Gottesdienst und allem was dazu gehört, ist eine neue Beschneidung, die nicht am Leib, sondern am Herzen des Volkes vollzogen wird. (30:6)

Und der HERR, dein Gott, wird dein Herz beschneiden und das Herz deiner Nachkommen, damit du den HERRN, deinen Gott, liebst von ganzem Herzen und von ganzer Seele, auf dass du am Leben bleibst

Gottes Wille ist, dass das Volk lebt und seinen übernommenen Auftrag ausführt, der darin besteht, Gott zu verherrlichen in dem Land, das Gott Abraham versprochen hat. Dass dieses Ziel erreicht wird, dazu hat sich Gott in diesem Bund verpflichtet. Israel aber hat die Wahl zwischen Segen und Fluch, Leben und Tod, von Generation zu Generation.

Heute kann man sagen, dass sich die Bundes-Weissagungen alle erfüllt haben, bis auf zwei Dinge: Erstens ist Israels Herz noch nicht beschnitten. Auch wenn die Sammlung aus allen Völkern bereits in vollem Gange ist, dieser heilige Akt der Bekehrung Israels ist noch ausständig. Über ihn haben die späteren Propheten und auch die Offenbarung des Johannes einige Details hinzugefügt.

Zweitens aber ist auch das Ziel noch nie erreicht worden. Die Zeit der Hochblüte Israels unter David und Salomon kommt diesem Ziel gerade so nahe, wie das mit einem am Herzen unbeschnittenen Volk noch möglich ist. Doch es ist nicht das, was hier und von den späteren Propheten ergänzend formuliert
worden ist. Dennoch können Israel und die Welt der Nationen sicher sein, dass dieses Ziel erreicht werden wird. Dies wird allen Heidenvölkern ebenso zum Heil gereichen, wie dem auserwählten Volk Gottes (Jes. 60:3), auch wenn einige Heidenvölker, die sich gegen Israel stellen werden, demselben Fluch verfallen werden wie zuvor Israel.

Ich meine, dass in der Erfüllung dieser noch ausstehenden Weissagungen geradezu der Grund für eine Notwendigkeit eines Millenniums besteht, wie dies uns in der Johannesoffenbarung dargestellt wird. Und zwar eines Millenniums, in dem Volk und Land, Priestertum und Königreich wieder eine Einheit sind und ein Tempel existiert als sichtbarer Mittelpunkt der Regentschaft des Friedefürsten über diese Erde.

 

 

 

 

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