3. Babylon unter Nebukadnezar

 

Nebukadnezar war sicherlich ein Genie. Seine Erfolge in der Beherrschung und Verwaltung seines Reiches standen den militärischen, mit denen er es aufbaute, in nichts nach. Es war größer und mächtiger als alles, was man bis dahin gekannt hatte, besonders als er sich auch noch das alte Ägypten einverleiben konnte. Die von den Assyrern übernommene Taktik, das Autonomiebestreben der Völker zu brechen, indem er wichtige Teile der Bevölkerung verschleppen ließ, wendete er rücksichtslos an, was auch zur Auflösung des jüdischen Staates geführt hatte. Die besten Leute aus den beherrschten Völkern wusste er geschickt für sein Reich einzusetzen. So ließ er auch Daniel und drei weitere Juden königlichen Geblüts an seinem Hof ausbilden. Damit begann auch die Geschichte und Wirksamkeit Daniels. Nachdem sich die vier erfolgreich gegen eine kultische Verunreinigung entgegen dem mosaischen Gesetz gewehrt hatten, und dies mit Gottes  Hilfe überlebten – wovon Nebukadnezar allerdings nichts wusste – hatte Daniel bald die Gelegenheit, seine Erwählung als Prophet Jahwes unter Beweis zu stellen. Nebukadnezars Traum konnte nicht gedeutet werden. Der kluge König wollte sich vor falschen Deutungen schützen und verlangte daher von seinen Traumdeutern, dass sie ihm nicht nur die Auslegung, sondern auch den Traum selbst erzählen sollten. Dies konnten sie nicht. Aber Daniel konnte es, denn Gott hatte es ihm gezeigt. Nebukadnezar zollte Daniel und seinem Gott große Anerkennung und setzte ihn als Premierminister ein und seine Freunde Hananja, Mischaël und Asarja als Verwalter über verschiedene Provinzen.

Doch es dauerte nicht lange, da wurden die drei Freunde Daniels erneut angefochten. Offensichtlich hatte Nebukadnezar das Erlebte schnell vergessen und er ließ ein Götzenbild anfertigen und verpflichtete seine Völker dazu, dieses anzubeten. Es steht nichts geschrieben, um welchen Gott es sich handelte, aber man kann annehmen, das es dem höchsten Gott der Babylonier, Merodach, gewidmet war. Dieser Gott stand über allen anderen und hatte einen Quasi monotheistischen Anspruch. Natürlich konnten die Juden dem nicht Folge leisten, und so wurden die drei angezeigt. Daniel könnte zu dieser Zeit auf irgendeiner Mission außer Landes gewesen sein, oder man wagte es wegen seiner Macht nicht, auch ihn anzuzeigen. Jedenfalls traf es nur seine drei Gefährten und Nebukadnezar schickte sie in den Feuerofen. Doch als der König ins Feuer starrte, sah er plötzlich vier statt drei Menschen im Feuer. Darauf rief er die drei aus dem Ofen zurück und musste ihre Unversehrtheit feststellen. Auch diesmal gab Nebukadnezar wieder Gott die Ehre und verbot im ganzen Reich, den Gott der Juden zu lästern.

Ein dritter Beweis der Größe Gottes betrifft den König selbst. Wieder hat er einen Traum und Daniel muss ihn ihm deuten. Doch Daniel ist bestürzt über die Deutung. Auf Verlangen Nebukadnezars spricht er sie dann doch aus. Demnach sollte Nebukadnezar gedemütigt, aber nicht vernichtet werden. Daniel ergreift die Gelegenheit, Nebukadnezar zur Buße zu rufen. Aber das scheint der nicht recht verstanden zu haben. Jedenfalls verfällt er kurz darauf in den Wahnsinn, nachdem er sich in einer Rede maßlos selbst erhoben hatte. Nach sieben Zeiten (vielleicht Jahren), erlangte er jedenfalls seinen Verstand wieder und gab darauf zum dritten Mal dem König des Himmels (4:34) die Ehre.

In all diesen Geschichten fällt auf, dass Nebukadnezar zwar eine gewisse Einsichtsfähigkeit besitzt. Er verstockt nicht, wie das beim Pharao zur Zeit des Moses geschah. Aber wir können andererseits auch nicht feststellen, dass er sich wirklich bekehrte. Sein Bekenntnis ist immer nur neutral an Gott gerichtet. Aber der Gott der Juden hatte einen Namen, nämlich Jahwe und das wusste er auch, den sprach er aber nie aus. Zudem nannte er bis zuletzt Daniel bei dem Namen, den er ihm gegeben hatte, als er an den Hof kam, nämlich Beltschazar, was übersetzt heißt „Bel schütze sein Leben“. Bel bedeutet aber nicht Gott, sonder ist eindeutig auf Merodach bezogen und hat auch einen Bezug zu Baal.  

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