1 Titel, Autor und Zeit der Abfassung

 

Der Prophet Daniel nimmt unter den Propheten eine Sonderstellung ein, weil er nicht nur, wie Hesekiel, außerhalb Palästinas wirkte, sondern auch, weil sein Themenschwerpunkt nicht die Ereignisse in Israel sind. Seine Visionen beschäftigen sich mit den Nationen und ihren Machtansprüchen, auch wenn immer wieder Bezüge deutlich werden, was die Entwicklung der Weltgeschichte für das Volk Gottes bedeuten würde. In seinen Weissagungen finden wir exakte Vorhersagen, die sich auch in der Geschichte großteils erfüllt haben. Die Übereinstimmung ist so groß, dass es nie an Versuchen mangelte, Daniel als Verfasser abzustreiten. Bereits 275 n. Chr. vertrat ein gewisser Porphyrius die Ansicht, das Buch sei von einem unbekannten Juden nach 165 v. Chr. geschrieben worden, denn bis zu dieser Zeit lassen sich vor allem die Vorhersagen aus Kap 11 sehr gut auf die Makkabäerzeit deuten. Die moderne Bibelkritik hat diese Vorstellung übernommen. Dahinter steht natürlich die Unfähigkeit zu glauben, dass derartige exakte Vorhersagen möglich sind. Die Fakten sprechen eine andere Sprache und belegen eindeutig die Verfasserschaft durch Daniel.

  • Die zeitgemäße Abfassung des Buches, das mit den Schriften Esra stilistisch vergleichbar ist. Im hebr. Kanon wurde es auch zusammen mit Esra, Nehemia und den Chronikbüchern in eine Schriftrolle gestellt;
  • die Erwähnung in Hesekiel (14:14,20; 28:3);
  • die gute Kenntnis des Autors der Sitten und Gebräuche, Ereignisse und Religionen des 6. vorchr. Jahrhunderts;
  • das Zeugnis Jesu, der Daniel als Autor anführt (24:15);

Dies alles lässt bei einem gläubigen Bibelleser an sich schon keine Zweifel aufkommen. Dazu kommt aber auch noch das Zeitzeugnis des jüdisch/römischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus (37-100 n. Chr.), der zu berichten wusste, dass Alexander der Große das Danielbuch und die darin enthaltene Vision kannte, nach der ein König aus Griechenland dem Perserreich ein Ende setzen würde. Es wurde ihm vom Hohepriester in Jerusalem gezeigt, worauf sich Alexander den Juden gegenüber sehr großzügig zeigte.
Daniel schrieb sein Buch in einer Zeitspanne von ca. 70 Jahren. Das Buch gliedert sich in zwei Teile, wobei der erste Teil von Kap 1-6 eher historischen Charakter hat, während er sich im zweite Teil (7-12) intensiv mit seinen prophetischen Visionen auseinandersetzt.

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