Die Entrückung und Daniels fehlende Jahrwoche

 
Nachdem mein Buch »Die Dämonen der Moderne« nun seit einiger Zeit auf dem Markt ist, stelle ich fest, dass es viele nicht lesen, oder nach kurzem Einblick wieder weglegen. Gläubige Menschen, die es eigentlich interessieren müsste. Natürlich habe ich mir die Frage gestellt, warum das so ist. Dabei sind mir zwei Reaktionen aufgefallen, die durchaus einander bedingen.
 
Die erste Gruppe möchte ich als »dogmatische Dispensationalisten« bezeichnen, die von der traditionellen Vorstellung eines fixen Schemas geleitet sind das folgendermaßen aussieht: 1. Entrückung der Gemeinde, was das Ende des Zeitalters der Gemeinde darstellt. 2. Ablauf der Ereignisse der Offenbarung innerhalb von sieben Jahren. Wobei dreieinhalb Jahren meistens den Siegeln und dreieinhalb Jahre den Posaunen zugeordnet werden. Diese Vorstellung stammt aus dem Darbismus und wurde von wichtigen evangelikalen Theologen wie Scoffield, Fruchtenbaum und Mc Arthur vertreten. Von Tim La Haye und einigen anderen populären Autoren wurde diese Theologie breitgetreten, bis zur phantasievollen Ausschmückung der dramatischen Ereignisse dieser sieben Jahre nach der Entrückung, einige Verlage haben damit gute Geschäfte gemacht.
Die andere Gruppe kann mit dieser Sicht nicht viel anfangen und hat überhaupt keinen Bezug mehr zur Eschatologie. Die vorherrschende evangelikale Engsichtigkeit hat teilweise Desinteresse gefördert und teilweise sogar einem unbiblischen Amilennialismus Vorschub geleistet. Viele wollen sich mit diesem Thema nicht mehr auseinandersetzen, weil sie das was da behauptet wird nicht glauben und weil sie sich außer Stande sehen, eine Alternative Sicht zu entwickeln. Dabei ist das Thema gerade in unserer Zeit so wichtig.
Mein Buch versucht nun gerade diese Alternative Sicht zu bieten. Denn einerseits bin ich überzeugter Dispensationalist, wie ich auch geschrieben habe, andererseits aber habe ich gute Gründe angeführt, warum diese dogmatische Auslegung des traditionellen Dispensationalismus nicht stimmen kann. Sie ist steckengeblieben in einer Erkenntnis die für Christen früherer Jahrhunderte eine Ehre waren. Heute aber, in einer Zeit, in der wir den Ereignissen so nahe sind und wo wir durch den Verlauf der Geschichte, die ja die Erfüllung des prophetischen Wortes darstellt, über weitergehende Erkenntnisse verfügen, sollten wir dieses prophetische Wort frei sprechen lassen und es nicht dogmatisch einengen, wie es die Juden zur Zeit der ersten Ankunft Jesu taten und ihn deshalb auch nicht erkannten. Wir sind aufgerufen, die Zeichen der Zeit zu beachten und sie zum prophetischen Wort in Bezug zu setzen, in korrekter und nicht wahrsagerischer Weise. Dabei müssen wir verstehen, dass Orthodoxie in der Eschatologie wie in keinem anderen theologischen Bereich schädlich ist. Denn keinesfalls haben wir ein vollständiges Bild der Ereignisse die uns erwarten, sondern nur Symbole und Metaphern, die zu deuten uns erst gelingt, wenn wir ihren Bezugspunkt in der Geschichte entdeckt haben.
 
Was nun im Besonderen kritikwürdig an der herkömmlichen Sicht der Dogmatiker unter den Dispensationalisten ist, wäre zu nennen, dass die Ereignisse der Offenbarung unmöglich alle innerhalb von sieben Jahren stattfinden können. Es ist auch gar nicht nötig sie in diesen Zeitrahmen zu zwängen, denn die fehlende Jahrwoche des Daniel hat eindeutig mit dem Erscheinen und der Regentschaft des Antichristen zu tun. Ein Großteil der Offenbarung aber befasst sich nicht mit dem Antichristen, sondern mit dem Gericht Gottes über die Heiden, wobei die Zeit in der der Antichrist seine Weltherrschaft sichtbar antritt vorbereitet wird. Wir finden in der Zeit des Antichristen eine Zivilisation vor, die dem des alten Rom in seiner Glanzzeit entspricht. Deshalb ja auch die Wehklage beim Fall der Hure Babylon, wie diese Kultur genannt wird. Wie aber kann eine Hochkultur sich entwickeln, wenn derartige Katastrophen bei denen die ganze Erde geschädigt und die Menschheit zweimal drastisch reduziert wird, entstehen. Niemand kann über eine kaputte Welt des absoluten Chaos und der Anarchie herrschen, nicht einmal der Antichrist, dazu braucht es eine technische und gesellschaftliche Infrastruktur, die aber laut Apokalypse zumindest einmal vollständig zerstört worden ist und erst wieder aufgebaut werden muss. So sind also für die gesamte Offenbarung Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte zu veranschlagen.
 
Die sieben Jahre des Antichristen sind freilich die Zeit, in der er exklusiv regiert und Gemeinde und Heilger Geist die Welt verlassen haben. Die Entrückung, die in der Offenbarung gar nicht vorkommt, muss auch zwangsweise vor der Hochzeit des Lammes stattfinden, denn mit ihr, seiner Braut, kommt Jesus wieder um die Herrschaft nach dem Gericht über den Antichrist zu übernehmen. Aber wann die Entrückung tatsächlich stattfindet und ob es eine Überlappung der Gerichte Gottes über die Heidenvölker und dem Zeitalter der Gemeinde gibt, davon wissen wir nichts. Dies, die Entrückiung der Gemeinde und das Ende dieses Zeitalters, ist auch der Tag und die Stunde, von der Jesus gesagt hat, dass sie nur der Vater im Himmel kennt. Sie ist auch durch kein prophetisches Zeichen gekennzeichnet. Wir können theoretisch also vor oder während den Ereignissen der Offenbarung entrückt werden. Kein Wort der Bibel schließt eine der beiden Möglichkeiten aus. Was aber, wenn sie tatsächlich schon begonnen hat, die Zeit des Gerichtes? Dann haben diejenigen, die meinten, dass das erste Siegel erst nach der Entrückung geöffnet wird eben unrecht. Was aber nicht heißt, dass die Entrückung nun nicht vor der großen Trübsal stattfinden wird. Denn diese Zeit ist die Zeit des Antichristen, der tatsächlich nur 7 Jahre regiert, dreieinhalb Jahre über die ganze Welt mit Ausnahme Israel und dreieinhalb Jahre auch einschließlich Israel. Dies wird die große Trübsalszeit genannt und nicht die ganze Fülle der Ereignisse der Offenbarung von Kap 6 bis 19.
 
Auch wird übersehen, dass eine exponentielle Beschleunigung der Ereignisse der Offenbarung darin angedeutet ist, dass die sieben Zornschalen in der siebten Posaune enthalten ist und die sieben Posaunen im siebten Siegel. Auch von daher verbietet sich eine Aufteilung der Ereignisse auf je dreieinhalb Jahre für Siegel und Posaunen. Die Siegel könnten einzeln noch Jahrzehnte dauern, während die Posaunen nur jeweils wenige Jahre in Anspruch nehmen und die Zornschalen in kurzer Zeit dem Antichristlichen Reich ein schmähliches Ende bereiten, wie einst Moses dem Pharao in Ägypten.
 
Dies war mein Ausgangspunkt beim Schreiben des Buches »Die Dämonen der Moderne«. Ich hatte nicht geahnt, dass ich mich derart gegen Dogmatische Eschatologie behaupten würde müssen mit meiner These. Ich bitte alle an Eschatologie interessierte Gläubige, sich die Dinge anzusehen und sich neu zu orientieren. Es wird wichtig sein für die Zunkunft der Gemeinde und die Herausforderungen der Endzeit.
 
Ich bitte aber auch jene, die sich Angesichts der unüberschaubaren, oft recht abendtteuerlichen eschatologischen Auselgungen der Heiligen Schrift von diesem Thema generell abgewendet haben, sich dem prohetischen Wort der Heiligen Schrift wieder zuzuwenden und darin Trost und Orientierung zu finden. Das ist wichtig.
 
Mein Buch möchte dabei nicht mehr als eine Hilfe sein. Machmal muss man die Dinge neu von einer anderen Seite sehen, um sie zu begreifen.
 
Johann Schoor
 
 
 
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