Der prophetische Tag des Herrn

Die ältesten der schreibenden Propheten, Obdaja und Joel, führten den Begriff »Tag des HERRN« ein, den Franz Delitzsch (The Pentateuch) »das Schlagwort der Prophetie« nennt. Zwar finden wir bereits früher Anspielungen darauf (Ps 9,9; 96,13, 98,9) und Bezugnahmen über beide Testamente verteilt, doch am häufigsten begegnet uns der Begriff bei acht der schreibenden Propheten (also jedem zweiten; siehe unten). Dazu sind mehrere Anmerkungen am Platz:

 

1. Definition.

Der Tag des Herrn ist ein biblischer Begriff für einen Zeitabschnitt besonderen göttlichen Eingreifens, um nach gerechten Prinzipien Gericht oder Segen in die Welt zu bringen. Er ist der Tag der göttlichen Weltherrschaft im Gegensatz zum »Tag des Menschen«. In dieser Bedeutung kann die Sintflut (2. Petr. 3:5-10), die Dürre zur Zeit Joels (1:15), die Zerstörung Jerusalems (Zeph. 1:4.7) oder das Gericht über Palästina und Ägypten durch Nebukadnezar gesehen werden (Hes. 30:3ff). Es gibt aber auch einen besonderen Zeitabschnitt, den »Tag des HERRN«, der im Endzeitplan Gottes eine Rolle spielt. Dabei geht es nicht nur um das Gericht über die Menschen am »großen weißen Thron« (Offb 20:11), sondern vornehmlich um die Abrechnung mit den Nationen je nach ihrer Annahme des »ewigen Bundes« der Wahrheit und Gerechtigkeit (Jes 24:5-6 vgl. 1.Mo 9:6-16).

2. Zeit und Dauer für »der Tag des Herrn«.

Im eschatologischen (endzeitlichen) Sinn ist der »Tag des Herrn« jene Zeit, da der Messias als König Gottes die Völker richten wird, um die Erde auf sein Friedensreich vorzubereiten. Im Neuen Testament wird der Beginn dieses Zeitabschnitts mit dem großen »Abfall« angesetzt, nach dem der Antichrist die Welt im Aufruhr gegen Gott vereinen wird (2. Thes. 2:3). Nach der dunklen Nacht des Gottesgerichts wird der Tag des Herrn eine herrliche Segenszeit im Tausendjährigen Reich bringen, bis hin zur Erneuerung der Erde (2. Petr. 3:10-12). Das Hauptgewicht liegt in der Bibel auf der Trübsals- und Gerichtszeit nach Offb 4-20.

3. Der »große und furchtbare Tag des HERRN«.

Dieser doppelt erschreckende Ausdruck wird nur von den Propheten des Südreiches Juda, Joel und Maleachi, verwendet (Joel 3:4; Mal.3:23). Hierbei scheint es sich um die Zeit zu handeln, die Jesus Christus als »die große Drangsal« bezeichnet (Mt.24:21; vgl. Offb.7:14). Vor dieser Schreckenszeit müssen nach Joel und Maleachi zwei Dinge geschehen:

1) Der Herr wird große Zeichen am Himmel erscheinen lassen, um die Erde zu warnen (Joel 4:14.15; Offb 6:12-17).
2) Der Prophet Elia wird einen Dienst der Wiederherstellung an Israel tun (Mal 3:23.24 vgl. Offb 11:3ff).

Auch andere Propheten sprechen von dieser Schreckenszeit des Weltgerichts, die nur wenige überleben werden (z. B. Jes.24:1ff), doch die besondere Kennzeichnung jener Epoche stammen vom ersten (Joel) und letzten (Maleachi) Propheten Judas.

4. Chronologische Weiterentwicklung durch die Propheten.

Der Tag des Herrn ist bei
Obadja: Eine Zeit des Gerichts und der Strafe für die Nationen.
Joel (1,15; 2,1.11; 3,4; 4,14): Ein Tag der Vernichtung durch den Herrn.
Amos (5,18.20): Ein Tag der Finsternis für die Welt, aber auch für Israel.

 

 

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